Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Klinik - Museum Teil 2

Kinder- und Jugendpsychiatrie (Raum 1)

Nach der Gründung der Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau (1912) wurden hier zunächst nur Erwachsene untergebracht. Das änderte sich erst, als im 2. Haus 47, Kinder- und JugendpsychiatrieWeltkrieg 65 geistig behinderte Kinder vom Franz - Sales - Haus in Essen nach hier verlegt wurden. Zwei Pflegerinnen kamen aus Essen mit. Der Schulunterricht wurde von 3 Nonnen durchgeführt. 1947 konnten Schwestern und Kinder nach Essen zurückverlegt werden. Jetzt wurde eine Kinderstation mit vorerst 13 Kindern gegründet. Die Zahl der hier betreuten Kinder erhöhte sich schnell auf über 114 Kinder im Jahre 1949 auf 220 Kinder im Jahre 1956.


Fremdbelegungen durch klinikfremde Einrichtungen
(Raum 1)

Während des 2. Weltkrieges waren hier viele Krankengebäude durch ein Marinelazarett für 2.000 Patienten belegt worden. Nach Ende des Krieges wurden in diesen Häusern ca. 1.000 im Krieg verschleppte heimatlose Ausländer (Fremdarbeiter) untergebracht. Nachdem gegen Ende des Krieges die Lazarett - Bild kann im neuen Fenster geöffnet werden (jpg,800x649,96Kb)Strafvollzugsanstalt Kleve von Bomben getroffen wurde, wurde das Bewahrungshaus am 20.4.1945 geräumt und zunächst von der englischen Besatzungsmacht und später durch das Justizministerium als Gefängnis genutzt. Erst im Jahre 1951, nach der Neueinrichtung der JVA in Kleve, erfolgte die Rückgabe des Bewahrungshauses an die Klinik. Auch die Kreisverwaltung war nach Ende des Krieges mehrere Jahre in 2 Krankengebäuden der Klinik untergebracht. Noch im Jahre 1950 waren so von den 36 im Jahre 1912 gebauten Krankengebäuden noch 22 Gebäude durch klinikfremde Einrichtungen genutzt. Bis 1956 erfolgte die Rückgabe aller Gebäude an die damalige Landesheilanstalt Bedburg-Hau. Nach der Rückgabe der Gebäude steigerte sich die Belegung der Klinik wieder allmählich auf das Vorkriegsniveau.

Bis April 1957 erhöhte sich durch, Neuaufnahmen und Verlegungen aus den anderen Landesheilanstalten die Belegung wieder auf 2.693 Patienten. Bis 1972 wurde dann der bisherige Höchststand mit 3.750 Patienten erreicht. Erst in den Achtziger Jahren sollte es gelingen, den Bestand stärker abzubauen und damit die Unterbringungssituation für die Patienten wieder zu verbessern.


Gründung der Krankenpflegeschule 1957 (Raum 1)

Bis zum Ende des 2.Weltkrieges war die Geisteskrankenpflege von der normalen Krankenpflege gesetzlich getrennt. Erst nach Kriegsende wurde die Krankenpflegeschule auf dem Gelände der Rheinischen Kliniken in Bedburg-HauGeisteskrankenpflege mit der normalen Krankenpflege gesetzlich gleichgestellt. Die Geisteskrankenpflege wurde zu einem Teilgebiet der Krankenpflege. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, auch in Bedburg-Hau eine Krankenpflegeschule zu gründen. Die Krankenpflegeschule nahm am 1. Juli 1957 den Unterricht auf. Der erste Kurs legte am 19. und 20. Februar 1959 sein Staatsexamen ab. Bis heute haben rund 1.550 Schwestern und Pfleger das Staatsexamen bestanden. Gegenwärtig (2001) besuchen ca. 60 Auszubildende die Krankenpflegeschule.

 

Aufbau einer eigenen Beschäftigungstherapie (Raum 1)

Bis 1969 wurde die Arbeits- und Flickzimmer, Bild kann im neuen Fenster geöffnet werden (800x638, 103Kb)Beschäftigungstherapie von den Pflegern und Schwestem durchgeführt. Erst dann wurde damit begonnen, eine eigene Beschäftigungstherapie mit ausgebildeten Therapeuten aufzubauen. Viele der Pfleger und Schwestern, die schon vorher in der Arbeitstherapie tätig waren, ließen sich in der Folgezeit zum Arbeits- oder Beschäftigungstherapeuten aus- und fortbilden.


Öffentlicher Nahverkehr (Raum 1)

Die Anbindung an den Zugverkehr zwischen Kleve und Krefeld wurde durch den Bau des Bahnhofs Bedburg-Hau bereits 1912 erreicht.
In der Nachkriegszeit verkehrte in Kleve noch eine Straßenbahn, die bis zum Haupteingang der Klinik an der Peter-Eich-Straße fuhr. Etwa um 1963 wurde der Straßenbahnverkehr eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt.

 

Wohnungen für Beamte und Angestellte (Raum 1)

Bei dem Bau der Anstalt ging Arztwohnung - Bild kann im neuen Fenster geöffnet werden (jpg, 800x650, 120 KB)man davon aus, dass für die Versorgung der Kranken und die Verwaltung der Anstalt insgesamt 426 Beamte und Bedienstete erforderlich wären. Für diese Beamten und Angestellten hielt man es damals nicht für möglich, in der näheren Umgebung Wohnungen in ausreichender Zahl zu finden. Es wurden daher beim Bau der Anstalt insgesamt 64 Wohnungen für verheiratete Beamte und Angestellte gebaut.

 

Die Tagesräume

Die Tagesräume dienten neben ihrer Funktion als Speiseraum in den Häusern der Frauen auch als Flickzimmer.

 

Freizeit und Geselligkeit (Raum 2)

Schon nach der Gründung der Klinik wurden in regelmäßigen Abständen von ca. 6 Wochen Anstaltsfeste durchgeführt.
Festsaal im Gesellschaftshaus - Bild kann im neuen Fenster vergrößert werden (jpg,800x639,107KB)Die Veranstaltungen fanden in dem eigens hierzu errichteten Gesellschaftshaus statt. Der große Saal im Gesellschaftshaus bietet hierzu für 600 Personen ausreichend Platz. In den zwanziger und dreißiger Jahren gab es hier in der Klinik eine Theatergruppe, die aus Mitarbeitern der Klinik bestand. In regelmäßigen Abständen führte sie Theaterstücke für Patienten und für das Personal auf.


Das Aktivierungs- und Beschäftigungsprogramm (Raum 2)

In den sechziger und siebziger Jahren hatte die Klinik die größte Belegung mit mehr als 3.700 Patienten zu verzeichnen.
Das Haus, in dem das Museum untergebracht ist, ursprünglich als Haus FA für 88 ruhige Frauen gebaut, wies im Jahre 1967 eine Planbettenzahl von 134 aus. Noch schlimmer waren die Bedingungen auf der Männerseite, wo teilweise bis zu 156 Patienten in einem Haus untergebracht wurden. Unter dem damaligen Direktor Dr. Scheuerle wurde ein besonderes Aktivierungs- und Beschäftigungsprogramm für die Patienten organisiert, um trotz der beengten Verhältnisse das Leben für die Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten.
Auf das einmal im Jahr stattfindende Sportfest bereiteten sich sportlich interessierte Patienten unter der Anleitung von Pflegern und Schwestern in regelmäßigen Übungsstunden vor. 30-40 Patienten nahmen täglich an diesem Sportprogramm teil.

Größere Feste waren das jährlich stattfindende Sommerfest, der Martinsumzug und die Karnevalsfeste im Gesellschaftshaus.

Schon Anfang der sechziger Jahre war von der Klinik ein Fernsehprojektor angeschafft worden, so dass besonders am Wochenende eine größere Patientenanzahl das Fernsehprogramm im Gesellschaftshaus verfolgen konnte.

Ab 1971 wurde durch das Bedburger Amateur Studio (BAS), einem freiwilligen Zusammenschluss von Pflegern und Schwestern, jede Woche ein Musikprogramm auf die Stationen übertragen. Ab 1973 organisierte das BAS regelmäßig eine Diskothek im Gesellschaftshaus, die bei den Patienten regen Anklang fand.

Sitzgruppe (Raum 2)

Im Tagesraum haben wir eine Sitzgruppe bestehend aus Sitzbank, Tisch und drei Stühlen aufgestellt. Dieses Mobiliar ist noch aus der Gründungszeit. Der Tisch steht auf einem alten Linoleumstück, welches noch aus der Anfangszeit der Klinik stammt und damals in den Schlafräumen verlegt war.


Ärzte-Kasino, Bild kann im neuen Fenster geöffnet werden (800x632, 102 KB)Das Ärztkasion in der Hauptverwaltung










Das Krankenhausgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (KHG NW) (Flur 4)

Im Sommer 1971 wurde auf Initiative des Deutschen Bundestages eine "Sachverständigenkommission zur Erarbeitung eines Berichts über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik" (Psychiatrie -Enquête) einberufen. Parallel hierzu wurde im Landschaftsverband Rheinland die Verwaltung aufgefordert "einen Plan zur Versorgung psychisch Kranker und Schwachsinniger" auszuarbeiten.

Im Jahre 1975 wurde im Zuge dieser Entwicklung im Lande Nordrhein-Westfalen schließlich das Krankenhausgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (KHG NW) verabschiedet. Mit dem Krankenhausgesetz war es notwendig, für die Klinik eine neue Satzung zu verabschieden. Die wichtigsten Änderungen dieser damaligen Satzung waren:

 

Die Betriebsleitung (Flur 4)

Die erste Betriebsleitung wurde am 1.2.1978 gebildet. Ihr gehörten an:

Im Flur können Sie außerdem einen Organisationsplan der Klinik mit einem Planbettenbestand von 2.813 Betten aus dem Jahre 1982 sehen. Zu diesem Zeitpunkt war die Klinik in 11 Abteilungen gegliedert, die jeweils von einem Abteilungsarzt in eigener Verantwortlichkeit geleitet wurden.

Mit Einführung des Enthospitalisierungs- und Dezentralisierungsprogramms im Jahre 1991 wurde die Satzung erneut geändert und die Klinik in zwei Fachbereiche geteilt. Der ärztliche Leiter des Fachbereichs 11 gehörte ab diesem Zeitpunkt als 4. Mitglied der Betriebsleitung an.

 

Ausgliederung des Behindertenbereichs (Flur 4)

Am 1.1.1981 wurde der damalige Behindertenbereich der Rheinischen Landesklinik Bedburg-Hau als "Heilpädagogisches Heim" verselbständigt. Zunächst wurden 406 Heimplätze geschaffen. Im Jahre 1984 wurden weitere 480 Behinderte aus der Rheinischen Landesklinik ausgegliedert. Heute leben von den derzeit 725 Bewohnern (2001) des HPH mehr als 75% in Außenwohngruppen in den Städten und Gemeinden des Kreises Kleve und Wesel. Üblich ist hier die Unterbringung in Ein- und Zweibettzimmern.


Das Badezimmer und der Waschraum (Räume 5 und 6)

1912, bei der Gründung der Anstalt, befanden sich die Badezimmer in den Häusern für ruhige Kranke noch im Keller der Gebäude. In diesen Häusern wurde 1980 in jeder Etage ein Baderaum eingerichtet. Früher befand sich an dieser Stelle ein Tagesraum. Bade- und Waschraum waren - wie hier im Haus FA (Haus 2) - getrennt.


Die Badbehandlung (vor Raum 5)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von England ausgehend auch in Deutschland unter der Losung 'no restraint' die "offene Tür Psychiatrie" eingeführt. Als Ersatz für die bis zu diesem Zeitpunkt üblichen Zwangsmittel wurde von den bedeutenden Psychiatern des 19. Jahrhunderts wie Dr. Griesinger und Dr. Kraepelin die Bett- und Badbehandlung propagiert. Kraepelin bemerkt in seinem Lehrbuch von 1896, dass es ihm mit Hilfe der Badbehandlung gelungen sei "zahlreiche äußerst unruhige Kranke dauernd vor der Isolierung zu bewahren". Besonders bei unruhigen Kranken ist es aber wohl auch üblich gewesen, die Wannen mit ausgeschnittenen Deckeln oder Segeltuchplanen zu verschließen, um zu gewährleisten, dass die Patienten längere Zeit in der Wanne blieben.

 

Die Küche (Raum 7)

Blick in die Kochküche, Bild kann im neuen Fenster geöffnet werden (800x633, 101KB)In der Küche des Museums befindet sich aus Aluminiumblech bestehendes Inventar aus der Anfangsphase der Klinik. Dieses Geschirr wurde noch bis in die sechziger Jahre verwendet. Auf den meisten Töpfen befindet sich noch die Prägung "Prov. Anstalt Bedburg-Hau".

Kochküche, Bild kann im neuen Fenster geöffnet werden (800x671, 123 KB)Bis 1950 lautete der Name der Klinik 'Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau', so dass anzunehmen ist, dass der größte Teil der Töpfe noch aus der Vorkriegszeit stammt. Die Küche im Haus FA war wie überall in der Klinik eine reine Verteilküche. Das Essen für die Patienten wurde früher mit einer feuerlosen Schmalspurbahn, später mit Lastwagen, zu den Stationsgebäuden gebracht.


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