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Forensik I

Die Abteilung für forensische Psychiatrie I beinhaltet die hoch gesicherten Stationen F 1.1, F 1.2, F 2.1, F 2.2 und F 3.2 im Forensik-Neubau.

Die Abteilung umfasst 110 Behandlungsplätze für männliche Patienten, die nach § 63 StGB im Maßregelvollzug untergebracht sind und im Wesentlichen an einer Psychose, Persönlichkeitsstörung oder Intelligenzminderung leiden.

Die Stationen befinden sich im Neubau der LVR-Klinik Bedburg-Hau, einem großzügig angelegten und in sich abgeschlossenen Neubaukomplex, der neben den Stationen und Funktionsräumen selbst auch über ein arbeitstherapeutisches Zentrum, eine Sporthalle, eine Cafeteria mit integriertem Kiosk, eine Zahnarztpraxis, medizinische Funktionsräume (z. B. EKG-Ableitung, physiotherapeutische Anwendungen) und nicht zuletzt über ein großes, parkähnlich angelegtes Gelände im Innenbereich verfügt, das von den Patienten gepflegt und genutzt werden kann. Es steht auch ein Bereich für Nutzpflanzungen (z.B. Gemüse, Obst) zur Verfügung.

Ein pädagogisch begleitetes Freizeitangebot wurde etabliert und wird weiter ausgebaut.

Team

Die in der Forensik I arbeitenden Teams sind interdisziplinär ausgelegt und setzen sich aus den verschiedensten Berufsgruppen zusammen. So sind hier z. B. ärztliche, psychologische, sozialpädagogische, heilpädagogische, pflegerische, erzieherische, ergo-, kreativ- und bewegungstherapeutische Berufsgruppen vertreten.

Was wird behandelt?

Bei den Stationen F 1.1 bis F 3.2 handelt es sich um Therapiestationen in denen unterschiedliche psychiatrische Störungsbilder unter besonderer Berücksichtigung des zur Unterbringung führenden Deliktes und seiner Entstehungsbedingungen behandelt werden. Die Behandlung orientiert sich an dem jeweils neuesten wissenschaftlichen Standard und aktuellen therapeutischen Erkenntnissen.

Haus F 1

Im Haus F 1 erfolgt im Regelfall die Initialphase der Behandlung; die Diagnostik nach der Aufnahme bildet damit einen Aufgabenschwerpunkt. Hier wird das Ziel einer möglichst differenzierten Erfassung der bei dem jeweiligen Patienten vorliegenden Problemkonstellation in ihrer jeweiligen Eigenständigkeit, aber auch in den gegenseitigen Abhängigkeiten und wechselseitigen Beeinflussungen verfolgt. Die bekannten Qualitätsvorgaben werden beachtet. Weiterhin erfolgt u. a. die Abklärung der Problem-, Krankheits-, Rechts- und Unrechtseinsicht sowie der grundsätzlichen Therapiemotivation.

Bereits bei der Aufnahme werden Hypothesen zur Gesamtprognose sowie auch zur Gefährlichkeitsprognose aufgestellt, die ständig im weiteren Verlauf auf ihre Richtigkeit hin überprüft und ggf. verändert werden. Da die späteren Vollzugslockerungen letztlich auch zur Überprüfung der Prognosehypothesen dienen, ist eine möglichst sichere Aussagebasis zur Prognose wichtige Voraussetzung für spätere Vollzugslockerungen. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Aufnahme- und Diagnostikphase ist eine umfassende Ressourcenerfassung einschließlich des schulischen Bereichs sowie die Ermittlung der Förderungsbedarfs bzw. der Förderungsmöglichkeiten bei den einzelnen Patienten.

Die Kontaktaufnahme zu externen Personen wie gesetzliche Betreuerin/gesetzlicher Betreuer, Angehörige und vorbehandelnde Einrichtungen erfolgen zum Einen vor dem Hintergrund der Erhebung fremdanamnestischer Daten, zum Anderen aber auch vor dem Hintergrund einer möglicherweise später sinnvoll erscheinenden Einbeziehung der Beteiligten in den Therapieprozess des einzelnen Patienten.

Die Untersuchungs- und Beobachtungsergebnisse der einzelnen Berufsgruppen werden in Behandlungsplänen zusammengeführt, hieraus werden Behandlungsziele und -maßnahmen abgeleitet und im Einzelnen detailliert dargestellt. Wenngleich die Behandlungsplanungen und insbesondere deren Zielsetzung und Dauer nicht primär in der Entscheidungsgewalt der Patienten liegt, so soll doch versucht werden, möglichst gemeinsam mit dem Patienten die notwendigerweise zu erreichenden bzw. die als wünschenswert zu bezeichnenden Ziele festzulegen. So wird eine möglichst weitgehende Identifikation des jeweiligen Patienten mit seinem Behandlungsplan erreicht. Eine möglichst realistische Sichtweise der Situation ohne überhöhte Wünsche, Ansprüche und Forderungen dient als Grundlage einer möglichst effizienten Behandlung. Neben einem soziomilieutherapeutischen und pädagogischen Therapieansatz haben in der Eingangsphase insbesondere auch psychoedukative Therapieansätze eine wesentliche Bedeutung. Auf eine positiv annehmende, empathische Atmosphäre wird Wert gelegt. Die einzelnen Therapieangebote, die individuell im Baukastensystem für jeden einzelnen Patienten zusammengestellt und gewichtet werden können, sind im verbindlichen Behandlungsplan festgelegt. Ein solcher ausführlicher Behandlungsplan muss bei Maßregelvollzugspatienten nach der Aufnahme bereits innerhalb von sechs Wochen erstellt werden.

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Häuser F 2 und F 3

Station F 2.1
Die Station F 2.1 ist eine Station innerhalb des hochgesicherten Forensik-Neubaus, welche in enger Kooperation mit der Station Haus 15 mental beeinträchtigte Maßregelvollzugspatienten in enger Verknüpfung von psychotherapeutischen und heilpädagogischen Ansätzen mit rehabilitativer Zielsetzung, also mit dem Ziel der größtmöglichen Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft unter gleichzeitiger Beachtung der erforderlichen Sicherheitsaspekte, behandelt.
Dabei liegen die Schwerpunkte auf der Förderung alltagspraktischer Fertigkeiten, der Verselbständigung und auf der Entwicklung der in der individuellen Konstellation höchstmöglichen Eigenständigkeit der Patientinnen und Patienten.
Als Aufnahmeindikation in die Spezialabteilung stehen die Entwicklungsverzögerung und das Mentalisierungsdefizit der Betroffenen an erster, der numeral erhobene IQ-Wert nur an nachgeordneter Stelle.

Stationen F 2.2 und F 3.2
Die Stationen F 2.2 und F 3.2 dienen schwerpunktmäßig als weiterführende Therapiestationen nach Abschluss der initialen Behandlungsphasen. Die Therapiekonzeption und Behandlungsplanung wird hier fortgeschrieben und berücksichtigt bereits erzielte Behandlungserfolge. Die Patienten profitieren von einem vielfältigen Behandlungsangebot bishin zu einem realitätsnahen Langzeittraining in den Bereichen industrieorientierter Fertigung sowie Holzverarbeitung. So besteht in der AT Holzverarbeitung neben der Möglichkeit zur Bearbeitung von Fremdaufträgen auch Raum zur Entwicklung von Eigenprodukten und kleinen Serien. Hier zeichnen sich schon Schritte zu einer möglichst realitätsnahen Vorbereitung auf eine soziale und berufliche Rehabilitation ab. Die Patienten erhalten - je nach Behandlungsstand - neben begleiteten Ausgängen, auch die Möglichkeit, Ausgänge, Einkäufe und Besorgungen in der Stadt zu machen und das Wochenende mit ihren Angehörigen und Bezugspersonen zu verbringen.

Behandlungsschwerpunkt

Der Abbau von Hospitalisierungserscheinungen und der Aufbau sozial kompetenter Verhaltensweisen unter Berücksichtigung der Sicherungsnotwendigkeiten ist dabei ein Behandlungsschwerpunkt.

großes eingezäuntes Areal mit Wohnhäusern und Bäumen im Hintergrund
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Forensische Psychiatrie I