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Rundgang: Raum 9 - 19

Elektroschockgerät (Raum 9)

Die Schocktherapie wird schon seit dem 19. Jahrhundert in der Psychiatrie verwendet, zunächst mit kalten Regengüssen. Mit der medikamentösen Schocktherapie mit Insulin wurde nach dem 1. Weltkrieg experimentiert. 1937 wurden die ersten Versuche mit dem Elektroheilkrampf zur Behandlung der Schizophrenie in Italien unternommen. Ab 1942 wurden die entsprechenden Geräte an den Anstalten der Rheinprovinz eingeführt. Damals in erster Linie mit dem Ziel, das knappe Insulin zu ersetzen. Die Elektroschocktherapie (Elektroheilkrampf) wird noch heute von einigen Ärzten in der LVR-Klinik Bedburg-Hau in begrenztem Umfang verwendet.

Klinik-Apotheke (Raum 9)

Schon seit der Gründung verfügte die damalige Heil- und Pflegeanstalt über eine eigene Apotheke. In einer Vitrine befinden sich einige ältere Apothekengegenstände wie Mörser, Standgefäße und Medikamentendosen. Besonders hinzuweisen ist auf den Schriftsatz, mit dem früher die Etiketten für Standgefäße gedruckt wurden. Ähnliche Schriftsätze finden noch heute Verwendung. Die ausgestellte Druckplatte diente früher zum Drucken der Anforderungsbögen, mit denen die Stationen Arzneimittel anforderten.

Chirurgie (Raum 9)

Bei der Errichtung der 'Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Bedburg bei Cleve' wurde auf der Männer und Frauenseite je ein Lazarett errichtet. Sämtliche Erkrankungen wie Tuberkulose, Typhus, aber auch Verletzungen, die einen chirurgischen Eingriff erforderlich machten, wurden hier behandelt. Während der Nazi-Zeit wurden hier auch die Sterilisationen durch einen Arzt des St. Antonius-Hospitals Kleve durchgeführt.

Der große Schlafsaal (Räume 9, 10, 16, 17)

Im großen Schlafraum sind nach 1973 ca. 2m hohe Zwischenwände angebracht worden, um den Raum zu unterteilen. Dadurch sind vier kleinere Schlafräume für insgesamt 12 Patientinnen entstanden. Ursprünglich, d.h. im Jahre 1912, war dieser Schlafsaal für 22 Patientinnen gebaut. Diese Belegung versteht sich für die Planbettenzahl dieses Hauses mit 88 Betten. In den sechziger und siebziger Jahren, als bis zu 3.800 Patienten in der Landesklinik untergebracht waren, wurden in diesem Haus jedoch bis zu 136 Patientinnen untergebracht (1967). Es ist davon auszugehen, dass im Ausstellungsraum ca. 30 - 40 Betten gestanden haben.

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Vitrinenschrank (Raum 10)

Im Vitrinenschrank sind Pflegegegenstände ausgestellt, die heute nicht mehr im Gebrauch sind. Die verschiedenen Gegenstände sind beschriftet. Von den Büchern, die in der Vitrine zu sehen sind, ist besonders das Lehrbuch von Dr. Ludwig Scholz: 'Leitfaden für den Irrenpfleger' aus dem Jahre 1909 zu erwähnen. Dieses Buch galt jahrzehntelang als Standardwerk für die Ausbildung des Pflegepersonals in den Heil- und Pflegeanstalten.

Familienpflege (Raum 10)

Die Familienpflege hat in Deutschland eine lange Tradition. Nach Modellversuchen in Andemach und Merzig im Jahre 1898 wurde die Familienpflege in allen Heil- und Pflegeanstalten der Rheinprovinz eingeführt. Ausgestellt haben wir das Bewerbungsschreiben eines Klever Bürgers für die Zuteilung eines Familienpfleglings. Damals wurde von der Provinzialverwaltung ein Pflegesatz von 1,40 Mark pro Tag bezahlt. Heute erhalten die Gastfamilien, die einen Patienten in ihrem Haushalt aufnehmen und betreuen, täglich einen Betrag von 52,77 Euro (2015). Die Patienten und die Gastfamilien werden durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik betreut.

Die Pflegeleitung und die Oberinnen (Raum 10)

Die Klinik war früher in die Männer- und die Frauenabteilung eingeteilt. Analog hierzu stand an der Spitze des Pflegedienstes auf der Frauenseite die Oberin und auf der Männerseite der Pflegevorsteher, 1912 noch Oberpfleger genannt. 1968 wurde die Trennung in Frauen- und Männerabteilung aufgehoben und Fachbereiche gegründet. 1969, nachdem der Pflegevorsteher Heinrich Hermanns in Pension ging, war die damalige Oberin Frl. Marianne Cieslewicz bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1975 oberste Pflegekraft für alle Fachbereiche. Den Posten der Oberin gab es an der Landesklinik bis zur Psychiatriereform im Jahre 1978. Seit dieser Zeit untersteht der gesamte Pflegedienst der Pflegedienstleitung. Die Aufgaben der Oberin und des Pflegeleiters können auf drei Schrifttafeln nachgelesen werden.

Die ärztlichen Direktoren (Raum 10)

Schwarz-Weiß-Foto: Haus mit umzäunten Garten und mehreren Häusern im Hintergrund
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Oberarztwohnhaus

Der ärztliche Direktor war bei der Gründung der Anstalt noch Vorgesetzter sämtlicher in der Anstalt beschäftigter Beamten, Angestellten und Arbeiter. Nach der Krankenhausreform von 1978 trat an die Stelle des ärztlichen Direktors die Betriebsleitung, zu der der Leitende Arzt gehört. Dr. Scheurle war der letzte ärztliche Direktor, der nach der Krankenhausreform noch von 1978 bis 1981 als Leitender Arzt der Betriebsleitung angehörte.

Der Schlafsaal mit 10 Betten (1912) (Raum 12)

Bei der Gründung der Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Bedburg befanden sich im zweiten Schlafsaal 10 Betten. Eine Vorstellung, wie damals die Patienten untergebracht wurden, können anhand der im Schlafsaal ausgestellten Bilder gewonnen werden. Auch für diesen Schlafraum gilt, dass in den Zeiten der größten Belegung der Klinik erheblich mehr Patientinnen hier untergebracht waren. Unter diesen beengten Bedingungen war es damals nicht möglich, dass sich in den Schlafräumen Schränke bzw. Nachtschränke für private Gegenstände der Patientinnen befanden. Im Tagesraum befand sich damals ein Schrank, in welchem jeder Patient ein eigenes Fach besaß. Private Bekleidungsgegenstände mussten in Schränken auf dem Speicher untergebracht werden.

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Die Zwangsjacke und Zwangsmittel in der Psychiatrie (Raum 12)

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren die Geisteskranken in vielen Städten wie Schwerverbrecher untergebracht. Kranke mit Unruhezuständen, die man damals noch als "Tobsüchtige" bezeichnete, waren zum Teil in den mittelalterlichen Türmen der Stadtmauern angekettet und konnten dort besichtigt werden. Erst während der Französischen Revolution wurden den Geisteskranken in Paris von Pinel die Ketten abgenommen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Psychiatrie langsam als Fachrichtung innerhalb der Medizin anerkannt. In der Psychiatrie wurden jetzt Methoden diskutiert, die gänzlich auf die Anwendung von Zwangsmitteln verzichteten. Zur Beruhigung der Patienten fand damals die Bettbehandlung und für unruhige Patienten die über mehrere Stunden, häufig über Tage ausgedehnte Badbehandlung Anwendung.

Die Klinik in Bedburg-Hau wurde auf dem Stand der damaligen wissenschaftlichen Erkenntnisse errichtet. Mit Ausnahme des Bewahrungshauses wurde überall der Grundsatz der "offenen Tür" verwirklicht. Bei allen Krankengebäuden - mit Ausnahme der Häuser für 'Unruhige' - wurde auf gefängnisartige Sicherungsmaßnahmen wie vergitterte Fenster verzichtet. Selbst die vorhandenen Isolierzellen sollen nach Aussage des zweiten Direktors der Anstalt Dr. Raether mindestens bis 1929 nicht verwendet worden sein. Um das Leben für die anderen Kranken ruhiger zu gestalten und sie zu schützen, sollen vor dem Zweiten Weltkrieg auffällige Patienten mit "Unruhezuständen" gemeinsam mit kriminellen Geisteskranken im Bewahrungshaus untergebracht worden sein.

Seit vielen Jahren werden in dieser Klinik Zwangsjacken nicht mehr verwendet. Falls medizinisch zum Schutz der Patienten oder von Mitpatienten erforderlich, kommen heute Fixierungen zur Anwendung.

Die Metallbetten (Raum 12)

Die Metallbetten stammen noch aus der Zeit vor dem Krieg. Bei uns in der Klinik wurden diese Betten noch in den sechziger Jahren verwendet

Die Kinderbetten (Raum 12)

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist hier erst nach 1945 aufgebaut worden. Das erste Kinderbett scheint noch aus der Zeit direkt nach dem 2. Weltkrieg zu sein. Das Bett mit dem Gitteraaufsatz wurde noch in den siebziger Jahren verwendet.

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Die Liegen (Raum 12)

Die Liegen standen ursprünglich auf den Veranden (Liegehallen) des Tuberkuloselazaretts (MLaz), wo die Patienten an der freien Luft zur "Luftkur" lagen. Auf einem der hier ausgestellten Fotos ist die Veranda des Tuberkuloselazaretts zu sehen, wo Patienten auf ähnlichen Liegen liegen. Während der NS-Zeit und der Zeit der höchsten Belegung in den sechziger und siebziger Jahren sollen diese Betten auch als Notbetten verwendet worden sein.

Die Bettbehandlung (Raum 12)

Auf 2 ausgestellten Schrifttafeln ist im Museum die Bettbehandlung und ihre Durchführung in Bedburg-Hau dargestellt. Ab 1925 trat die Bettbehandlung stärker zurück. Statt dessen wurde die Arbeits- und Beschäftigungstherapie weiter ausgebaut.

Schneiderraum (Raum 13)

In der Mitte des Raumes steht ein Tisch, der von unserer eigenen Schreinerei hergestellt wurde und zuletzt im Bewahrungshaus gestanden hat. Früher wurden diese Tische für Schneiderarbeiten benutzt, bei denen die Schneider zum Nähen der Bekleidungsstücke auf dem Tisch saßen. Die mechanische Nähmaschine stammt wahrscheinlich auch noch aus der Gründungszeit. Die Schneiderei stellte früher die gesamte Patientenbekleidung sowie die Dienstbekleidung für die Pfleger und Schwestern her. Eine Auswahl von Bekleidungsgegenständen, die von unserer Schneiderei hergestellt wurden, ist auf dem Bekleidungsständer zu sehen. Neben zwei Kleidern, wie sie früher von der Oberin getragen wurden, sind Bekleidungsgegenstände für Patienten zu sehen.

Einzelschlafräume (Räume 13 und 14)

In einem der Einzelschlafräume sind zwei Bilder eines 24-jährigen Patienten und eine Tuschezeichnung einer 30-jährigen Patientin ausgestellt, ebenso ein Gedicht einer Patientin, gegen Ende der Fünfziger Jahre geschrieben. In dem zweiten Einzelraum befinden sich einige Fotos zur Beschäftigungs-, Reit- und Musiktherapie aus der Zeit von 1976 und 1977.

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Arbeitstherapie (Raum 15)

Bereits in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg war ein großer Teil der Kranken aus therapeutischen und wirtschaftlichen Gründen beschäftigt. Die Frauen wurden vor allem in der Koch- und Waschküche und mit Hausarbeiten beschäftigt. Die Männer fanden Arbeit auf den 3 Gutshöfen, in der Gärtnerei und den Handwerksbetrieben. Noch vor dem 1. Weltkrieg wurden diese Beschäftigungsmöglichkeiten durch die Errichtung eines besonderen Hauses für Kartonage und Korbflechterei ergänzt.

Auf drei ausgestellte Geräte möchten wir besonders hinweisen:

  • Bank für Korbflechtarbeiten
    Durch die drehbare Scheibe konnten die Körbe während des Flechtens leichter gedreht werden.
  • Webstuhl zum Mattenflechten
    Auf der Rückseite befinden sich noch handschriftliche Eintragungen, die auf das Jahr 1917 verweisen.
  • Einsatzplan der Arbeits- und Beschäftigungstherapie
    Auf dieser Tafel ist die Beschäftigung der Patienten mit allen Arbeitsgruppen verzeichnet. Diese Tafel ist wahrscheinlich aus dem Jahre 1970. Sie gibt einen Bestand von 3.746 Patienten an, von denen 2.072 (1.260 Männer und 812 Frauen) beschäftigt wurden. Auf den einzelnen Schildchen ist die Größe der einzelnen Arbeitsgruppen und der Name des Pflegers bzw. der Schwester verzeichnet, der/die für die Arbeitsgruppe verantwortlich war. Geleitet wurde die Arbeits- und Beschäftigungstherapie damals noch von einem Oberpfleger. Eigenständige Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten gab es in der Klinik erst ab 1969, nachdem geeignete Pfleger und Schwestern an einer Ausbildung zum Beschäftigungs- bzw. Arbeitstherapeuten teilgenommen hatten.

Die Gutshöfe und die Gärtnerei (Raum 15)

Schwarz-Weiß-Foto: im Garten arbeitende Männer mit Schüppen in der Hand und einem großen Gewächshaus im Hintergrund
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Gärtnerei

Im 19. Jahrhundert wurde in Europa damit begonnen, chronisch Kranke auf Gutshöfen zu beschäftigen. Damals betrug die Verweildauer der meisten Geisteskranken in den Anstalten noch viele Jahre, ein Teil von ihnen verbrachte vielfach den restlichen Teil ihres Lebens in den Anstalten. Die Anstaltspsychiater dieser Zeit versprachen sich durch die Arbeit positive Anregungen für die Kranken, so dass - wie Dr. Kraepelin Ende des 19. Jahrhunderts schrieb - diese Kranken lange Jahre hindurch "in einem Zustand leidlichen Wohlseins erhalten werden" konnten.

Schwarz-Weiß-Foto: durch einen Torbogen verbundene Häuser mit Innenhof und im Hintergrund die Kirche von Schneppenbaum
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Gutshof

Die drei Gutshöfe, die es 1912 gab, dienten aber auch dazu, einen Anteil für die Selbstversorgung der Anstalt zu leisten. So konnte nach den Plänen von 1912 durch den Gutsbetrieb der gesamte Milchbedarf und der gesamte Bedarf an Schweinefleisch sowie die Hälfte des Bedarfs an Rindfleisch für die Anstalt gedeckt werden. Durch den Einsatz von Patienten auf den Gutshöfen, die für ihre Arbeitsleistungen damals kaum Lohn erhielten, konnten die Betriebskosten der Anstalt erheblich reduziert werden.

Anfang der siebziger Jahre wurden die Gutshöfe aufgelöst. Man war damals der Ansicht, dass die Beschäftigung der Patienten mit industriellen Arbeiten sinnvoller sei. Hinzu kam, dass durch die Mechanisierung der Landwirtschaft viele Einsatzfelder für die Patienten verloren gingen und die Gutshöfe nicht mehr wirtschaftlich waren. Die Gärtnerei wird jedoch weiter betrieben. In der Gartengruppe der Arbeitstherapie sind auch heute noch Patienten beschäftigt.

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Die Verwaltung (Raum 17)

Personalliste von 1911

Auf einer Wandtafel befindet sich die Kopie einer Doppelseite der Personalliste von 1911. Hier sind die ersten Pfleger mit dem Anfangsbuchstaben F, die zwischen 1911 und 1913 eingestellt wurden, eingetragen. In dieser Liste wurde neben Familien- und Vornamen auch die Beschäftigung vor dem Eintritt in den Anstaltsdienst, der Jahreslohn und später der Grund der Dienstentlassung eingetragen. Aus dieser Liste ist zu ersehen, dass nur die wenigsten Pfleger schon vor ihrem Eintritt in den Anstaltsdienst als Pfleger tätig waren. Um die Pfleger in der Arbeitstherapie einsetzen zu können, war es damals erwünscht, dass die Pfleger geeignete handwerkliche Fertigkeiten beherrschten.

Gehaltsliste und Kriegszuschlagsliste aus dem Jahre 1939

Das Gehalt der Beamten und Angestellten wurde in diesen Gehaltslisten geführt. Das Monatseinkommen betrug damals für den Direktor ca. 900 RM und für einen Pfleger ca. 235 RM. Ab September 1939 wurde zusätzlich eine besondere Kriegszuschlagssteuer für die Beamten eingeführt. Der Kriegszuschlag betrug damals die Hälfte der Lohnsteuer.

Die Verwaltung im Jahre 1912 und im Jahre 1987

Im Jahre 1912 wurden die "Kassen- und Bureaugeschäfte" vom Rendanten und 8 Bürogehilfen erledigt. Hinzu kamen die Beschäftigten in der Wirtschaftsverwaltung, wie der Betriebsingenieur und die ihm unterstellten Arbeiter und Angestellten, weiterhin die Küchenvorsteherin und die Wäschevorsteherin, die ihre Arbeit vor allem unter Mitarbeit von Patienten durchführten. 1912 waren in der Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Bedburg insgesamt 426 Beamte und Bedienstete beschäftigt. 1987 umfasste der Wirtschafts- und Verwaltungsdienst 264 Vollzeitstellen. Insgesamt waren im Jahre 1987 1.728 Mitarbeiter in der Klinik beschäftigt.

Die Damenfeuerwehr (Raum 19)

Während des Krieges waren fast alle Pfleger zur Wehrmacht eingezogen. Zur Brandbekämpfung wurde in der Kriegszeit eine 'Damenfeuerwehr gegründet. Die Verse auf der Tafel stammen von den Frauen der Damenfeuerwehr selbst, vermutlich wurden sie anlässlich einer Feier verfasst.